Das Landschaftsmuseum Westerwald zeigt ideelle Werte des Alltags: "Unentbehrlich -  Abgenutzt, repariert, umfunktioniert". Wenn aus einer Schubkarre ein Blumenbeet wird, einer Sammeltasse der Henkel abbricht oder das Küchenmesser vom Großvater provisorisch repariert wird, dann erst erhalten Alltagsgegenstände eine eigene Persönlichkeit.

Eine mehrstufige Schale, die seit 1911 von der Mutter an die Tochter als Hochzeitsgeschenk weitergegeben wird, steht zwischen rund 150 unentbehrlichen Alltagsgegenständen bis zum 8. November im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg. Volkskundler Moritz Jungbluth (Nauort), Schöpfer der Ausstellung, erklärte die Philosophie des "Unentbehrlichen". Gegenstände, die mit unseren Erinnerungen verknüpft sind, die wir lieb gewonnen haben, werden zu unentbehrlichen Schätzen, egal wie abgenutzt sie einem fremden Betrachter erscheinen. Diese Gegenstände werden solange repariert, wie es eben geht, oft werden solche Dinge umfunktioniert und selbst dann noch aufgewahrt, wenn sie völlig zerstört sind. Einen solch starken Symbolwert haben zwei Kaffeetassen von 1895, die versehentlich von der Enkeltochter der Besitzerin 1950 zerbrochen wurden. In Respekt vor dem schweren Leben der Großmutter werden die Scherben bis heute von den Nachfahren aufbewahrt. Urenkelin Rita Zoth aus Hellenhahn stellte sie für die Ausstellung leihweise zur Verfügung. Von Alwine und Emil Jungbluth aus Selters, den Großeltern von Moritz Jungbluth, stammen einige mit Socken geflickte Jacken. Helmut Schmitte aus Waldesch begleitete die sehr gut besuchte Eröffnung musikalisch auf dem Akkordeon.

Helga Gerhardus, Geschäftsführerin der Museen im Westerwald GmbH, begrüßte im Namen von Landrat Peter Paul Weinert die Stadtbeigeordnete Christel Thomann- Zurek und Dr. Imke Tappe- Pollmann vom Lippischen Landesmuseum Detmold. Dr. Manfrid Ehrenwerth, Leiter des Landschaftsmuseums, dankte dem Freundeskreis des Museums, besonders Dr. Stefan Braun, für die finanzielle Unterstützung.

Die rund 150 Exponate sorgten bei der Eröffnung für angeregte Gespräche. Viele jüngere Besucher waren gekommen, diskutierten mit den Älteren über die Werte der Vergangenheit, über Flickberufe, die es in der heutigen Konsumgesellschaft nicht mehr gibt, wie etwa Kessel- , Wannen-  oder Schirmflicker. Vom Fahrradschlauch bis zur Werkbank scheinen die Gegenstände einen Teil der seelischen Aura ihrer Besitzer auszustrahlen. Älter als 150 Jahre ist keines der Ausstellungsstücke, wohl auch ein Indiz, dass die persönliche Beziehung verblasst, je mehr Generationen dazwischenliegen. Ehrenwerth würde die Ausstellung gerne noch ergänzen: "Wir freuen uns über jede weitere Leihgabe unentbehrlicher Gegenstände." Er und Tappe- Pollmann aus Detmold sehen viele Gemeinsamkeiten beider ländlicher Museen trotz der räumlichen Trennung und beabsichtigen, in Zukunft weitere gemeinsame Ausstellungen zu realisieren.

Thomas Sonnenschein
Westerwälder Zeitung vom Dienstag, 3. März 2009, Seite 20.