Ein Gefühl von Nostalgie aus dem Kinderzimmer verspricht die neue Ausstellung "Teddy, Frieda, Rosi & Co. - ein geselliges Treffen der Steifftiere" im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg, die noch bis zum 2. Februar zu bewundern ist. Nicht nur das weiche Flauschefell und der berühmte Knopf im Ohr sind dabei zu bewundern, vor allem geht es um die Geschichten, die ein solches "Wesen" und dessen Besitzer einst durchlebt haben.
Da kommen Gefühle nicht nur bei den Kindern auf. Beinahe jeder Erwachsene verbindet heute so manches Kindheitserlebnis mit einem Schmusefreund, der immer zugehört hat, sich nie beklagte und für viele Teil der eigenen Identität wurde. So sind denn auch Schicksale von Mensch und Kuscheltier miteinander verwoben. Dies demonstrieren viele ansprechende Geschichten, die auf Anregung von Birgit Himmelsbach von Westerwäldern geschrieben wurden.
Zur feierlichen Eröffnung bei Wein und Gebäck rezitierte Gisela Müller ihre eigene Geschichte über das Steifftier "August". In der Geschichte vorkommende Originalaccessoires, wie etwa das Buch "Sechs Bärenbrüder", hielt Dr. Manfrid Ehrenwerth parat. Ehrenwerth, der am selben Tag genau fünf Jahre erfolgreich das Museum leitete, dankte den mehr als 40 Privatleuten aus dem Westerwald, die nur zu gern die Leihgabe des Steiffmuseums mit eigenen Figuren ergänzten.
Viele kamen zur Eröffnung mit ihren Familien, Kindern und Kindeskindern, die das Spielzeug der älteren Generation bewunderten. Auch die ältesten Teddys der Ausstellung stammen aus Privatbesitz (Wied/1938, Hachenburg/ 1910 und Höhn/1909). Ein Bär aus Michelbach stammt mit größter Wahrscheinlichkeit sogar aus einer der ersten Produktionsreihen von 1906.
Die Schöpferin, Margarete Steiff, die selbst seit ihrem 18. Lebensmonat an Kinderlähmung litt, produzierte seit 1880 Nadelkissen in Form eines Plüschelefanten. Als sie feststellte, dass vor allem Kinder von dem "Elefäntle" begeistert waren, verlagerte sie ihren Schwerpunkt auf die Produktion von Spielzeugen, stellte Schaukelpferde, Stoff- affen und - kamele her.
Den größten Erfolg erlebte sie noch, als unter dem Einsatz von Nachfolger Richard Steiff der Teddybär die Herzen in aller Welt eroberte. Entstanden aus der Legende, dass US- Präsident Theodore "Teddy" Roosevelt auf der Jagd ein Bärenbaby verschonte, wurden bereits 1907 mehr als eine Million Teddys aus Plüsch verkauft. Heidi Kron, deren Sohn just den 13. Geburtstag feierte, dekorierte die Figuren mit den lebendig glänzenden Glasaugen liebevoll zu einer Odyssee durch mehr als ein Jahrhundert, ob Symboligel Mecki, eine schokoladenlila Kuh oder eine komplette Schaufenstereinrichtung mit elektrischer Windmühle aus Welschneudorf, die bis 1975 geschäftlich im Einsatz war.
Dabei sind noch nicht einmal alle Figuren aufgestellt. Tagtäglich werden noch immer Stofffiguren von Westerwälder Liebhabern angeliefert. Ein Familienbesuch über die Weihnachtsfeiertage lohnt sich in jedem Fall. Wer weiß: Bei mehr als 315 Exponaten lässt sich vielleicht wiederentdecken, was einst das Herz berührte. Thomas Sonnenschein
Westerwälder Zeitung vom Montag, 1. Dezember 2008, Seite 17.

Mit leuchtenden Augen bestaunten Museumsleiter Dr. Manfrid Ehrenwerth und die Kinder im Landschaftsmuseum die Teddyfamilien ihrer Urgroßeltern (von links) Sophia Jonischkeit (10), Elias Vogt (6) und Luca Hasenpflug (5). Foto: Röder- Moldenhauer



