Jüdin aus Neuseeland mit familiären Wurzeln in Montabaur vermacht dem Haus zwei Ofenplatten
Manche Wünsche müssen erst um die ganze Welt reisen, bevor sie in Erfüllung gehen: Im Sommer berichtete die Westerwälder Zeitung über die Jüdin Gerti Blumenfeld, geborene Stern, die 1937 mit ihrer Familie aus Montabaur flüchten musste und heute in Neuseeland lebt.
Zu den Erinnerungen der 83- jährigen Dame an das Elternhaus in der Montabaurer Bahnhofstraße gehörten zwei prächtige, gusseiserne Ofenplatten, über deren Verbleib sie nichts Genaues wusste. Diese Lücke konnte jetzt geschlossen werden, und zwar im Landschaftsmuseum Westerwald in Hachenburg.
Nachforschungen hatten dort ergeben, dass tatsächlich zwei der im "Haus Norken" ausgestellten Ofenplatten aus dem früheren Besitz der Familie Albert Stern aus Montabaur stammen. Wie es dazu kam, erklärte Helga Gerhardus, Geschäftsführerin der Museen im Westerwald GmbH. Demnach hatten die Nachbesitzer des Stern'schen Hauses die schweren Eisenplatten als Leihgabe dem ehemaligen Kreisheimatmuseum in Montabaur überlassen. Nach dessen Auflösung in den 1960er- Jahren kamen die Restbestände 1976 in das neu gegründete Landschaftsmuseum in Hachenburg.
Wesentlichen Anteil an diesen Nachforschungen hatte Paul Widner, der sich in der Geschichte seiner Heimatstadt Montabaur bestens auskennt und unter anderem in diesem Jahr den Film "Auf jüdischen Spuren durch Montabaur" fertiggestellt hat. Auch Jürgen Reusch von der Gesellschaft für Heimatkunde und Josef- Otto Schneider, damals ein Klassenkamerad von Gerti Stern, freuten sich sehr, dass nun gewissermaßen ein Kreis geschlossen werde. Keineswegs gehe es bei dieser Stiftung um eine Art Wiedergutmachung, sondern um angemessenes Gedenken, an dem nun alle Museumsbesucher teilhaben können.
Die kleinere der beiden Ofenplatten trägt die Jahreszahl 1677 und zeigt ein biblisches Motiv. Das Motiv der größeren, zentnerschweren Platte ist zweigeteilt, der untere Teil beinhaltet eine lateinische Inschrift und oben ist das Wappen des Johann Hugo von Orsbeck, Erzbischof und Kurfürst von Trier, zu sehen, der um 1700 die Burg Montabaur zum barocken Schloss umbauen ließ. Paul Widner hält es daher für naheliegend, dass diese Ofenplatte ursprünglich aus dem Schloss stamme und später in den Besitz der Kaufmannsfamilie Stern gelangte.

Elmar Hering
Westerwälder Zeitung vom Samstag, 15. November 2008, Seite 21.



