AltmannVon diesem Laienfotografen besitzt das LMW mehr als 2000 Glasplatten-Aufnahmen in bildtechnisch höchst unterschiedlichen Qualitäten (technisch oft in Profi-Qualität bis zu laienhaften Schnappschüssen, künstlerisch von sehr wertvoll bis schrill). Schwerpunkt der Überlieferungszeit liegt zwischen 1906 und dem Beginn der 1930er Jahre.

Die Erforschung und Würdigung seines Gesamtwerks hat sich Museumsleiter Dr. Manfrid Ehrenwerth zur besonderen Aufgabe gemacht. Mit Valentin Altmanns Fotos besitzt das Landschaftsmuseum Westerwald nämlich einen Bilderschatz, wie er sonst allenfalls von dem herausragenden Schaffen des aus Herdorf stammenden Fotografen August Sander übertroffen wird. Sander war gelernter Profi, Altmann dagegen bewegte sich in der Amateurliga.

Trotzdem hat er Fotos von besonderen Qualitäten hinterlassen, die einem Profi oftmals würdig sind. Z. B. bei zahlreichen seiner Porträts. Im Gegensatz zu Sanders kunstfotografischem Ansatz gilt Altmanns Blick in der Regel der Persönlichkeit seines Gegenübers. Seine abgebildeten Personen werden nicht zu beliebigen „Menschen-Bildern“, mit denen seine Kamera in Beziehung tritt, sondern bleiben konkrete, bestimmbare Individuen. Oft sind es Familienangehörige, Dorfnachbarn, Arbeitskollegen usw., fast immer im Kreise ihres persönlichen Lebensumfelds.

In Altmanns Lebenswerk muss man sich vertiefen: vom Fotografen selbst ist nichts auf Glasplatten oder in seinen zahlreichen Fotoalben beschriftet, nummeriert oder mit Jahreszahlen versehen. Auch über sein eigenes Leben gibt es kaum Überlieferungen. Erst seit den 1990er Jahren, als der Sohn Wilfried Altmann Teile des Bestandes der Kreisbildstelle des Westerwaldkreises überließ und den Großteil der Gemeinde Niederelbert übergab, begannen einzelne Heimatforscher, wie Willi Bode aus Niederelbert, Einzelheiten über Altmanns Leben zusammenzutragen und kleinere Ausstellungen zu organisieren. 2007 zeigte das Landschaftsmuseum in Hachenburg dann erstmals eine Übersicht über alle Bereiche seiner Fotografie.

Seitdem lassen die Fotos Ehrenwerth nicht mehr los. Es sind die vielen verschiedenartigen Facetten des Altmann-Bestandes, die die Beschäftigung mit dem Niederelberter Dorffotografen so spannend machen. Altmanns Interesse für den technischen Fortschritt, Experimtierfreudigkeit und Neugier, seine Bemühungen, Geschehnisse des Alltags einzufangen und für sich und andere festzuhalten kommen schon einer Art von Besessenheit gleich.

Nicht nur für die Familie selbst war Valentin Altmann der Bilderchronist, der mehrere Jahrzehnte lang das Leben, die Feste und Freuden festgehalten hat wie auch die Leiden. Seine Bedeutung geht darüber weit hinaus. Nirgendwo sonst im Westerwald wird das Leben im Dorf ausführlicher beschrieben wie in seinem Oeuvre. Deshalb sind Altmanns Fotografien von besonderer Bedeutung nicht nur für die Niederelberter Einwohner. Sie sind Erinnerungen an die Alltagsgeschichte der Westerwälder vor dem zweiten Weltkrieg schlechthin.

Ein einmaliger Schwerpunktbereich seines Schaffens von noch höherem Rang ist Altmanns Dokumentation der amerikanischen Besatzung nach dem WK I in seinem Heimatdorf von Dezember 1918 bis zum Juli 1919. Die etwa 400 Aufnahmen zeigen neben vielen Porträts das alltägliche Miteinander von Besetzten und Besatzern im gemeinsamen Dorfalltag, wie es kein anderer bekannter Fotografen-Bestand in Rheinland-Pfalz beinhaltet. Publikationen zum Thema sind geplant.
Dr. Manfrid Ehrenwerth

Altmann

Valentin Altmann, vermutlich um 1906 mit seiner ersten Fotoausrüstung